TON- UND VIDEOARCHIV

Auch die Gespräche auf den Tonbändern können bei der literaturgeschichtlichen Forschungsarbeit hilfreich verwendet werden; diese bisher vielleicht nicht entsprechend gewürdigte Tondokumentation ist in unseren Tagen bereits ein organischer Bestandteil der literarischen Museologie. Unser mehr als 5000 Aufnahmen umfassendes Tonarchiv wird nicht nur um neu angefertigte literarische Interviews erweitert, sondern auch durch Tonbandaufnahmen aus den Nachlässen, manchmal durch Archivfilme, neuerdings durch Videoaufnahmen bereichert.

 Einer der ältesten unserer Kunstgegenstände – der vom technischem Gesichtspunkt aus interessant ist – ist eine auf das Negativ eines Röntgenbildes festgehaltene Tonaufnahme, die aus der zweiten Hälfte der 1930er Jahre die Stimmen von Mihály Babits, Frigyes Karinthy und Sophie Török erklingen lässt. Neben der Eventualität des Gespräches ist die Nachricht für die Zukunft zu entdecken, nicht zufällig beginnt das lustige Gespräch mit folgenden Worten: “Hallo, hier spricht Frigyes Karinthy, der Dichter aus dem 20. Jahrhundert!” Die Sammlung ist nicht bloß bezüglich der Literaturgeschichte, sondern auch unter topographischem Gesichtspunkt vielseitig. Die Mitarbeiter des Tonarchivs fertigten während ihrer Auslandsreisen Aufnahmen an: z. B. mit Menyhért Lengyel im Jahre 1969, in Rom mit Amerigo Tot, in Paris mit Baron Bertalan Hatvany, Sári Megyery, Ferenc Fejtő, in London mit László Cs. Szabó, Győző Határ bzw. mit Malern und Bildhauern.

Während der zwei Jahrzehnte der Geschichte des Tonarchivs erhöhte sich bis zur Mitte der 1980er Jahre die Anzahl der Tonaufnahmen auf etwa 1500, die die “goldenen Stimmen” von bedeutenden Vertretern der ungarischen Literatur verewigen. Die einzigartigen Bandaufnahmen, die zu Hause mit einem Spulentonbandgerät aufgenommen worden waren, sind oft Amateuraufnahmen und ungeschnitten. Es befinden sich unter den Magnetbändern  auch solche, die beinahe 50 Jahre alt sind und deshalb leicht zerreißen, deshalb ist es grundsätzlich wichtig, diese Aufnahmen zu digitalisieren. Aus dem auf CD geretteten Tonbestand stellt das Tonarchiv eine Auswahl zusammen, die in der CD-Reihe Goldene Stimmen für die breitere Öffentlichkeit erscheint.

Äußerungen und Interviews in den Medien sind heutzutage bereits Teil des alltäglichen Lebens geworden. In der letzten Zeit enthalten deshalb die ins Museum kommenden Nachlässe auch Tonaufnahmen (Endre Illés, Sándor Márai, László Cs. Szabó, Ágnes Nemes Nagy). Diese vom Gesichtspunkt des Schriftwerkes nicht redigierten Texte, die aber einen belletristischen oder dokumentarischen Wert haben, werden von den Mitarbeitern des Tonarchivs einer gründlichen Textpflege unterworfen und – mit Notizen versehen – in einem Band redigiert.

Zahlreiche Tonaufnahmen werden von den Veranstaltungen und Ausstellungen des Museums gemacht, nicht bloß mit dem Anspruch der tontechnischen Aufbewahrung, sondern auch mit der Absicht, dass diese Aufnahmen im späteren die literarischen Ausstellungen bereichern werden. Das Ton- und Videoarchiv möchte beweisen, dass die Tondokumentation mit ihren einzigartigen Möglichkeiten unter den Manuskripten, Büchern, Zeitschriften und Reliquien einen berechtigten Platz hat.

Das Tonarchiv strebte bewusst danach, seine Sammlung in Zusammenarbeit mit den Tonsammlungen anderer Institutionen zu entwickeln. Mit dem Ungarischen Rundfunk wurde eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, die nicht nur zu dem Austausch der verschiedenen Aufnahmen verhalf, sondern auch ermöglichte, dass von den wertvollsten literarischen Aufnahmen der regionalen Rundfunkstudios Kopien gemacht werden konnten. Der Ungarische Rundfunk veranlasste Anfang der 1990er Jahre die Gründung des Nationalen Tonarchivs. Die Mitarbeiter des Museums suchen im Rahmen der Zusammenarbeit die Antworten darauf, wie eine gemeinsame Datenbank für die nationalen Tonsammlungen aufgestellt werden könnte.

Der Wirkungskreis und der Inhalt des Tonarchivs wurden mit der Gründung des Videoarchivs zur Mitte der neunziger Jahre bedeutend erweitert. Dieser Schritt war dadurch begründet, dass immer häufiger Videoaufnahmen von den Veranstaltungen des Museums gemacht wurden. Es begann eine Kooperation mit dem Ungarischen Fernsehen, damit die im Fernsehen früher angefertigten Schriftstellerporträts sowie die Adaptationen der ungarischen belletristischen Werke bzw. die Kopien der dramatisierten Spielfilme in möglichst großer Zahl ins Archiv des Literaturmuseums gelangen. Das Videoarchiv wurde Ende der 90er Jahre um etwa 500 Aufnahmen bereichert.

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