KUNST- UND RELIQUIENSAMMLUNG

Die reiche Kunstsammlung des Literaturmuseums Petőfi umfasst Gemälde, Graphiken, Kleingraphiken, Skulpturen, Münzen sowie Fotos.

Die Grundlagen unserer Sammlung aus dem 19. Jahrhundert erbten wir vom Petőfi-Haus: die Porträts von Petőfi und seiner namhaften Zeitgenossen, den riesigen Nachlass von Mór Jókai, vor allem die graphische Sammlung, die zum Jubiläum des Schriftstellers zusammengestellt worden war. Durch die Werke der bildenden Kunst, die sich mit Petőfi und Jókai beschäftigen, ist das Museum in den Besitz der Werke solcher Künstler wie z.B. von Wereschtschagin sowie Miklós Barabás, Mihály Munkácsy, Mihály Zichy und Gyula Benczúr kommen. Das allegorische Werk von Mihály Zichy Das ungarische Volk oder Das historische Tarockspiel von Artúr Ferraris und das Gemälde Meine Heimat (1875) von Viktor Madarász gehören zu den Werken, die am häufigsten vom Museum ausgeliehen werden. Im Jahre 1951 wurde die Sammlung um Gemälde, Graphiken, Fotos – darunter stellen einige den Dichter selbst dar – und Reliquien aus dem Nachlass von Attila József bereichert. Seit 1954 umfasst die Sammeltätigkeit des Museums auch offiziell die ganze ungarische Literatur. Der reiche Ady-Nachlass, der 1965 von der Ady-Familie gekauft wurde, zeigt auch, dass diese spezielle literarische Fachsammlung auch im Vergleich mit anderen Kunstsammlungen bedeutend ist. Die Werke von Lajos Tihanyi, Dezső Czigány, Károly Kernstok, József Rippl-Rónai stellen heute nicht mehr nur wegen ihren ehemaligen Eigentümern einen unschätzbaren Wert dar. Die Kunstsammlung kann auch auf einige Pastellbilder aus der Porträtreihe stolz sein, die Rippl-Rónai von 1923 an von ungarischen Schriftstellern anzufertigen begann.

         Außer den Porträts sammelt das Museum die durch Schriftsteller und Dichter inspirierten künstlerischen Werke sowie die Illustrationen, die zu literarischen Werken entstanden sind. Die Darstellungen und Fotos, die mit den Schauplätzen des Lebens der Schriftsteller verbunden sind, werden dokumentiert; das Museum ist außerdem bestrebt, die Gemälde und Graphiken, welche die Wohnungen der Schriftsteller geziert haben, anzuschaffen. Die Gemälde, Zeichnungen, Skizzen unserer Schriftsteller, die in der Kunstsammlung aufbewahrt werden, bestätigen die Durchlässigkeit zwischen den Grenzgebieten der bildenden Kunst und der Kunst des Wortes. Mehrere der Autoren verfügten über bedeutende Kunstsammlungen, wie zum Beispiel Milán Füst, Lajos Kassák und Tibor Déry.

         Mitte der 1980er Jahre war die Kunstsammlung als Auftraggeberin tätig, zu den bedeutenden Jubiläen der Schriftsteller gab es Ausschreibungen im Bereich der bildenden Kunst. Das Ergebnis: eine ganze Reihe von Werken, die die jahrzehntelange Freundschaft von Künstlern und Schriftstellern bezeugen. Den Ausschreibungen folgten immer auch Ausstellungen, weiterhin konnten die niveauvollen eingesandten Werke auch gekauft werden. Unsere Sammlung repräsentiert somit mehrere Generationen der zeitgenössischen ungarischen bildenden Kunst, vor allem von Graphikern. Von folgenden Schriftstellern bzw. über ihre Werke wurden bedeutende malerische und graphische sowie zum geringeren Teil auch plastische Bearbeitungen angefertigt: Sándor Petőfi, Endre Ady, Attila József, Gyula Krúdy, Miklós Radnóti, Dezsõ Kosztolányi, József Katona, Kálmán Mikszáth. Die Werke stammen von so namhaften Malern, Graphikern und Bildhauern wie Viola Berki, Lajos Sváby, István ef Zámbó, Gábor Záborszky, Ildikó Várnagy, István Orosz, Róbert Swierkiweicz, András Böröcz, László Révész, János Szirtes, El Kazovszkij, Líviusz Gyulai, Frigyes Kőnig, Tamás Vígh, Ákos Muzsnay, Richárd Török und Imre Szemethy.

         Besonders stark ist in der Kunstsammlung die Graphik vertreten, in der sich die bewusste ikonographische Sammlung und die Bestellung von Illustrationen am weitesten entfaltet. In der aus zehntausend Werken bestehenden Sammlung, die aus Einzelwerken und Vervielfältigungen besteht, sind beinahe alle bedeutenden ungarischen Künstler wenigstens mit einem Blatt vertreten. Die Zeichnungen und Gemälde von Béla Kondor synthetisieren auf einzigartige Weise all das, was ein Kunstwerk mit literarischem Bezug zeigen und bedeutenden “kann”. Die bekanntesten Werke der mehrere hundert Posten umfassenden Sammlung sind: Dante und Vergilius, Jókai: Ozeanien (Ölgemälde), Illustrationen zu den Werken von Thomas Mann, Tolstoi, Imre Madách, Attila József.

         Die Gedanken von Mihály Babits über die Illustration fassen die Ars poetica des Graphikers zusammen: “Gedichte können zwar letztlich übersetzt werden, jedoch ein Gedicht zu illustrieren, was für ein Künstler und Interpret muss man dazu sein! (…) Denn wer zu einem Gedicht ein Bild zeichnet, will gewiss nicht nur dasselbe sagen, wie der Dichter: nicht das mit dem Bild ausdrücken, was der Dichter mit Worten gesagt hat. (…). Das Bild drückt die Aussage nicht nur anders aus, sondern kann etwas ganz anderes über die Welt sagen, als die Worte es vermögen. Der Dichter spricht über seelische Vorgänge, die mit den Augen nicht zu sehen sind. Das Reich der Zeichnung ist das Sehen. (…) Es muss eine Möglichkeit geben, durch die der Illustrator, der Illuminator all das, was er bekommen und gegeben hat, in einer höheren Einheit zusammenfasst. (…) Somit ergänzt der gute Illustrator mit seinen Bildern, mit seinem Beitrag das, was er vom Dichter bekommen hat und dadurch entsteht ein anderes, vollständiges, organisches Werk.” [Vorwort zu der Mappe von Benedek Baja, die zu dem Gedichtband “Blut und Gold” (“Vér és arany”) von Ady erschien und 12 Lithographien enthält, 1924]

         Bild-Gedichte, Exlibris, Titelblattentwürfe, individuelle Buchentwürfe ergänzen unsere graphische Sammlung. Das älteste Stück der aus etwa 2000 Werken bestehenden Skulptur-, Kleinplastik- und Münzenkollektion ist die Maske von Ferenc Kazinczy (1816) aus der etwa 30 Masken enthaltenden Totenmaskensammlung. Die meisten von den Skulpturen stellen Porträts dar (die Werke von Miklós Izsó, György Zala, Fülöp Beck Ö., Amerigo Tot, Miklós Melocco), es gibt jedoch auch einige Grabdenkmalentwürfe.

         Die Fotosammlung beinhaltet beinahe 30.000 Fotos und ist für die ungarische Literatur- und Fotogeschichte einzigartig. Die Medien und Verlage verwenden oft die Fotos der Sammlung. Eines der ältesten ungarischen Fotos ist die Daguerreotypie von Sándor Petőfi, ein bedeutendes Stück der Fotosammlung. Das einzige authentische Petőfi-Porträt, das auf ein spiegelartig glänzendes Silberblatt exponiert wurde, ist das einzig zuverlässige Vorbild für alle später entstandenen bildkünstlerischen Werke betrachtet: für Gemälde, Skulpturen, Münzen, Graphiken. Zwei andere Daguerreotypien stellen Lajos Kossuth dar. Als Raritäten der Fotogeschichte gelten die sieben Ferrotypien der Sammlung, die auf ein Eisenblech exponierte Positive sind. Eine der Ferrotypien stellt den jungen Ferenc Molnár dar. Die Fotoreihe von André Kertész über die Ady-Schauplätze, die der weltberühmte ungarische Künstler Ende der 20er Jahre machte, gilt mittlerweile als Kuriosität.

Die Reliquien der namhaften ungarischen Schriftsteller sind außer dem Nationalmuseum in unserem Reliquienarchiv zu finden. Der Informationswert dieser Gebrauchsgegenstände ist unschätzbar, denn sie stellen nicht bloß sachliche Dokumente dar, sondern sind Teile des einstigen Lebensbereiches der Schriftsteller. Die Gegenstände verfügen über einen Nachrichtenwert, die Umgebung, der Geschmack, die Kleider, die Hobbys der Autoren können mit Hilfe dieser Gegenstände rekonstruiert werden.

Das Tradieren der Gegenstände und die Geschichte, wie sie ins Museum kamen, verbinden sich mit den Knotenpunkten der schriftstellerischen Laufbahnen bzw. mit den Wendungen ihres Nachlebens. Die Sammelarbeit bezieht sich somit auch auf die Familienmitglieder und Angehörigen. Das Archiv besteht aus etwa 3000 Gegenständen: Möbeln, Kleidungsstücken, Schmuckstücken und persönlichen, mit dem Schreiben zusammenhängenden Gegenständen von Schriftstellern (Feder, Brille, Schreibmaschine). Im Mittelpunkt der Sammelarbeit stehen vor allem die Gegenstände der klassischen ungarischen Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert und vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Aus dem einstigen Petőfi-Haus haben wir zahlreiche Reliquien von Sándor Petőfi und Mór Jókai, die hinsichtlich ihres bis zur Jahrhundertwende entstehenden Kultes wertvoll sind (z.B. der Verlobungsring von Petőfi, die Einrichtungsgegenstände des Arbeitzimmers von Jókai); sowie Gegenstände von Gyula Krúdy, Endre Ady, Zsigmond Móricz und Mihály Babits, die die Autoren ihr ganzes Leben lang begleitet haben und auch in ihre Familienverhältnisse einen Einblick gewähren. Während der Jahrzehnte wurden in unsere immer weiter anwachsende Sammlung immer neue Gegenstände aufgenommen (zum Beispiel Badeanzüge, Musikinstrumente, Spielzeuge, medizinische und Küchengeräte usw.). Ständige Stücke der Ausstellungen sind die Reliquien, die die authentische Atmosphäre der schriftstellerischen Persönlichkeit heraufbeschwören, die in der Rekonstruierung der schriftstellerischen Umgebung eine wichtige Rolle spielen.

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