Németh, Gábor

„Im Übrigen dachte ich, dass das Schreiben überhaupt keine notwendige Bedingung der Riesenhaften Schreiberei sei, der Schriftsteller wird nicht damit zum Schriftsteller, weil er schreibt, das Schreiben ist eher eine unangenehme Nebenerscheinung, zeitweilig kommen nicht einmal die Geschicktesten drum herum, da kann man keine langen Geschichten machen, schreiben müssen wir etwas, also gibt es Geschichten, aber „wirklich nur aus Quatsch“.“ (Gábor Németh)
 

(es wäre so gut, wenn)

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Ich stelle den Motor ab. / Steige aus, will in Richtung Parkuhr losgehen. Einfach nur ein Reflex. Uhr, also Gereiztheit, dass ich bezahlen muss, weil das Auto nicht in der Lage ist, in der Luft zu schweben. / Und auch das noch, da kommt so einer im roten Monteuranzug. Klar, ihr repariert von meiner Steuer die Uhr, dann braucht es doch jemanden dazu, zudem in dreckigem Anzug, wetten, dass er sogar stinkt, na sicher, dass er das tut, und überhaupt, wie sieht der denn aus. / Warum können die nicht richtig Ungarisch? / Er fängt an herumzustammeln. Ich verstehe nur langsam, dass etwas nicht stimmt. / Ich bin obdachlos, sagt er, und dass sein Freund es auch sei, zudem habe der auch eine Lungenentzündung, wir sind auf die Straße geraten, dabei spreche ich drei Sprachen. Ich sehe absolut aus Routine in die Richtung, in die der Satz zeigt. In einen Toreingang. Tatsächlich steht dort jemand, ein hagerer, ungarischblonder Mann, tatsächlich sieht er ziemlich schlecht aus, es kann sogar sein, dass er wirklich krank ist. Er schaut nicht her. Genauer gesagt schaut er mit der Schulter. Ich ziehe meine Hand hervor. Ein kleiner, neuer Hunderter, aus zweierlei Metall. Wenn man ihn einen Tag lang in den Kühlschrank legt, fällt angeblich die Mitte heraus. Einmal werde ich das ausprobieren. Er streckt seine Hand aus, sie ist ein wenig dicklich. Ich bin griechischer Abstammung, bei einer medizinischen Fortbildung habe ich den Operationsgehilfen gemacht. Was mag die dritte Sprache sein? Denn dass er ungarisch dazugezählt hat, ist sicher. Das Weiß seiner Augen ist gelb, er ist viel kleiner als ich. Mir kommt in den Sinn, dass er wahrscheinlich hinfiele, wenn ihm jemand einen Schlag versetzen würde. / Ich lege den Hunderter in seine Hand. / Die Sache ist die, sagt er, dass wir schon lange nichts mehr gegessen haben. Es wäre so gut, wenn Sie mehr geben könnten. Er schaut. Mir in die Augen. Der Andere schaut noch immer nicht her. Das machen sie gewöhnlich absolut nicht. Ich habe einen Hunderter gegeben, meiner Meinung nach ist das total in Ordnung, oder? Will der mich hier verarschen. Er schaut. Mir fällt nichts ein. Ich nehme noch einen hervor und drücke ihm den in die Hand. Er schaut ihn an, dann mich. Als wollte er noch was sagen. Dann geht er zu dem im Toreingang. / Ich gehe zur Uhr, werfe etwa hundertfünfzig rein, für so viel kann ich vielleicht anderthalb Stunden bleiben. Sie druckt irgendeine blöde Zahl aus. Ich gehe zurück. Er kommt hinter mir her. Schickt mir den Satz in den Rücken. Mein Herr… Bitte, ich drehe mich um, meine Stimme ist etwa wie eine gezückte Klinge. Ich weiß, dass es unverschämt ist, sagt er, aber wenn ich damit in den Laden gehe… Bekomme ich nicht mal Aufschnitt. Das Blut pocht mir in den Schläfen. Ja, es ist unverschämt, sagt die Klinge, ich habe zweihundert gegeben, ich weiß, dass das nicht viel ist, so viel konnte ich geben. Ich brauche das Geld auch. Fast hätte ich gesagt, mein Geld. Mein Herr, sagt er, die zweite Silbe zieht er ein wenig singend in die Länge, so weiblich, flehend. Sie sind der erste, der… Ich warte das Ende des Satzes nicht ab. Ich gebe ihm den dritten Hunderter. Ich wende mich mit der Schulter ab, energisch, wie jemand, der ihn nie mehr wiedersehen will. / Ich gehe zum Kofferraum. / Lege meine Tasche rein, überlege, was ich mit der Jacke und dem Telefon machen soll, die nehme ich lieber mit ins Művész. Der Grieche knackt es, oder wenn er es nicht kann, dann holt er von irgendwo einen Draht hervor und zerkratzt es, rundherum, gründlich. Es ist noch keinen Monat her, dass es neu lackiert worden ist. Ich wende mich ab, damit sie nicht sehen, wie ich das Handy in die Tasche meiner Jeans schiebe.

Aus dem Ungarischen von Éva Zádor