Kukorelly, Endre

„Was der Roman ist, kann man so natürlich nicht sagen, du kannst höchstens sagen, was er nicht ist, das stimmt dann oder stimmt auch wieder nicht. Als Leser lässt sich das ziemlich gut sagen. Wenn du ein ordentlicher (normaler, naiver) Leser bist, dann liest du Romane. Du schlüpfst hinein, vergisst dich in ihm, Geschehnisse, eine Wende, eine Rückwende, das Ende wendet sich auf jeden Fall (zum Guten oder Schlechten), es stellt sich heraus, wer stirbt, wer nie sterben wird, wer wen heiratet/verlässt, wer der Mörder ist, und ob er vertrieben wird, aber bestimmt auf ewig, der Türke bei Eger. Ich kann dich beruhigen, er wird vertrieben.“ (Endre Kukorelly)
 

Enthüllungen (666 999 3)

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Und da schaut der mir nicht in die Augen,
der Typ, der Verteidiger, sondern
hierhin, und ich zeig auch die Stelle,
wohin, auf meine Stirn, hier, zeig ich
meine Stirn, auf meine Stirn schaut er, sag ich,
und klar werd ich gleich rot, weil mir

einfällt, dass ich das letztens genauso
erzählt habe, dieses Rotwerden geht bei
mir einfach, es geht gar nicht so sehr,
sondern kommt, kommt einfach und bleibt
dann, ich werd einfach rot, bestimmt eine Frage
der Dicke der Haut oder der Adern, so ist

wahrscheinlich die Haut mit Adern durchzogen,
und da kommt ein bisschen mehr Blut, ein kleiner
Überschuss, gleich zeigt’s sich, Frage ist nur,
warum so viel Blut kommt, und was es zeigt,
klar zeigt’s, warum
zum Teufel ich das schon wieder

erzähle, ich höre meine Stimme,
wie ich erzähle, dieselbe Stimme, in derselben
Tonlage sag ich’s, wie letztens jemand
anderem, oder ich sage’s eigentlich wieder nur
mir selbst, stimmt’s?, jedem extra kann man’s
eh nicht, entweder einmal einem bestimmten, oder

oft mir selber, na davon kommt sicher auch
das Blut, was soll ich machen, dann
ist’s schon besser, ich erzähl’s fertig, natürlich
müsst ich’s nicht, ich könnt einfach
aufhören, mir was ausdenken, mit was anderem anfangen,
oder gleich aufstehen und rausgehen,

raus von hier, also als das Spiel losgeht,
sag ich, haben sie angegriffen, der Ball
in unserer Spielhälfte, der Schiedsrichter auch,
ich steh vorn und dann spaziert dieser
jemand zu mir her, mein Gegenspieler,
ein kleiner, sehniger Prolet, er

stinkt nach Nikotin, kommt her und versetzt
mir einen Tritt, nur so, tritt mir ganz einfach
in die Wade, sag ich und werde wieder rot, weil
warum hab ich Wade gesagt, warum
Wade, wenn ich gar nicht das sagen wollte,
sondern Schienbeinschoner, na egal, letztens hab ich

Schienbeinschoner gesagt, weil’s so war, gegen den
hat er getreten, oder eigentlich gegen mein Schienbein,
aber da ist ja der Schienbeinschoner, also
nicht gleich das Schienbein, es tat auch gar nicht
weh, aber getreten hat er mich wirklich, stimmt,
nicht in meine Wade, und dann habe ich

zu diesem Proleten gesagt,
Scheiß an, Scheiß an Alter,
ohne zu treten, hättest du mir das Leder
auch abnehmen können, und dann, aber
das habe ich schon erzählt, schaut mich dieser
Typ nicht an, oder schaut mich schon an, aber

nicht in die Augen, sondern auf meine Stirn,
das hat er sich ausgedacht, herausgefunden, wohin
er schauen musste, schaut durch mich durch, als ob
ich nicht dort bin, als ob ich nicht dort wäre,
und da war ich wirklich nicht
dort, er hat die richtige Stelle gefunden.


Aus dem Ungarischen von Christine Rácz und Éva Zádor