DIE GESCHICHTE DES PALAIS

 Auf Grund der schriftlichen Quellen ist die Geschichte des Grundstückes bzw. des Gebäudes vom Ende des 17. Jahrhunderts an bekannt. Laut des ersten Grundbuches des von der Türkenherrschaft befreiten Pest, des so genannten “Zaiger”, befanden sich an dieser Stelle vier Grundstücke. Auf dem zu einem einzigen Grundstück vereinten Gebiet begann der kaiserliche und königliche Kommissär Nikolaus Wilfersheim im Jahre 1694 die Bauarbeiten und im Jahre 1696 stand hier bereits ein weites, elegantes aus 18 Räumen bestehendes Etagenhaus.

Im Jahre 1747 wurde der als Kunstliebhaber berühmte Graf Ferenc Barkóczy, der Bischof von Erlau/Eger (später Erzbischof von Gran/Esztergom), der neue Eigentümer des Grundstückes. Das Palais durfte vermutlich das schönste und berühmteste Gebäude der Stadt Pest gewesen sein. Das im Barockstil und mit einem U-Grundriss erbaute, aus einem Trakt bestehende Palais stand in der Mitte der Straßenfront des Grundstückes. Hinter der Zimmerreihe an der Straßenseite fasste ein Flur mit Arkaden die drei Gebäudeflügel zusammen. Im Mittelteil des Gebäudes befand sich der repräsentative Prunksaal. Neben dem Haus erstreckten sich der Wagenschuppen und die Ställe als selbständige Gebäude. Im hinteren Teil des Grundstückes befand sich ein in vier Tafeln geteilter großer Garten. Am 4. August 1751 stattete auch Kaiserin Maria Theresia dem Gebäude einen Besuch ab, als sie mit ihrem Gatten, Franz von Lothringen und ihrem prächtigen Gefolge nach Pest kam. Vom Hafen fuhren sie in das Palais von Barkóczy und begrüßten von den Fenstern des ersten Stockes aus die zu ihren Ehren versammelten Soldaten und Bürger.

Graf Antal Károlyi (1732–1791) erwarb im Jahre 1768 das Palais, und damit wurde die vor allem in Ostungarn über Güter verfügende, auf eine historische Vergangenheit zurückblickende Familie Károlyi für über 150 Jahre Eigentümer des Palais. Während dieser Zeit wurde das Gebäude auch mehrmals umgebaut. Die Károlyi-Familie begann in den 1760er Jahren ungefähr gleichzeitig ihre städtischen Palais in Wien und Pest auszubauen. Die Ausführung des Planes aus dem Jahre 1769, auf Grund dessen an das Hauptgebäude mit seinem U-Grundriss von beiden Seiten L-förmige Flügel mit Etage symmetrisch angeschlossen und die Architektur der Straßenfassade umgebaut werden sollte, verzögerte sich bis zum Jahre 1791. Während der 10 Jahre wurde nur die Verlängerung des Hauptgebäudes in südliche Richtung verwirklicht, vielleicht wegen des verheerenden Hochwassers im Jahre 1775. Während der Katastrophe öffnete Graf Antal Károlyi seinen Palast für die obdachlosen Flüchtlinge. Graf Antal Károlyi verbrachte als Hauptmann der Wiener Leibwache von 1785 an mehr Zeit in Wien, die Bauarbeiten an seinem Palais in Pest wollte er jedoch unbedingt zu Ende führen. Im prächtigen Gebäude wurde in diesem Jahr das Archiv der Familie Károlyi errichtet. Das beim Tod von Antal Károlyi im Jahre 1791 aufgenommene Inventar bestätigt, dass das Palais zu einem, dem modernen Geschmack entsprechendem Gebäude geworden war, das den Repräsentationsansprüchen der hochadeligen Familie auf würdige Weise gerecht werden konnte. Insgesamt 50 Zimmer, 3 Bibliothekszimmer, ein Archiv, 5 verschiedene Küchen und sonstige Wirtschaftsräume dienten dem Komfort. Im Erdgeschoss befanden sich die Gästezimmer und die Gesindestuben sowie die Amts- und Wirtschaftsräume und an der nördlichen Ecke war das Billardzimmer. Zur reichhaltigen Einrichtung gehörten 67 Betten (7 Tafel- und zwei Baldachinbetten), 153 Tische, 33 Kanapees, 2 Sofas, 382 Stühle und neun Bänke. An den Wänden hingen 355 Gemälde. Da im Leben der an der Spitze der berühmten Károlyi-Husaren stehenden Grafenfamilie die Verehrung der Pferde eine große Tradition besaß, wurde im nördlichen Seitenflügel, wo sich früher der Wagenschuppen befand, ein riesiger Stall für mehr als 40 Pferde ausgestaltet. Die neue Reitschule, welche die im Garten provisorisch aufgebaute Pferdeschule ablöste, wurde 1808 auf Grund der Pläne von Mihály Pollack verwirklicht. Die Hofflügel, die den Ziergarten umarmten, gingen auf den weiten, mit einem Zaun abgetrennten barocken französischen Garten, wo die Pflanzen, in regelmäßigen, geometrischen Formen angeordnet, prangten.

Graf József Károlyi (1768–1803), Obergespan des Komitates Békés, und seine Frau veranstalteten prächtige Bälle innerhalb der Wände des Pester Palais, deren häufiger Gast auch Palatin Joseph war. Am 19. September 1795, als der Palatin in sein Amt eingesetzt wurde, “wurden die Augenzeugen zu Recht auf den Glanz des Palais des Grafen Károlyi aufmerksam. Am offen gelassenen Tor leuchteten zahlreiche Lichter, weiter in der Mitte des Hofes sah man eine Pyramide, und noch weiter war das beleuchtete Gartentor zu sehen.” (Magyar Hírmondó, Wien). Am 3. Mai 1800 wurde am Namenstag der jungen Frau des Palatins, von Alexandra Pavlovna eine prächtige Feier veranstaltet. Der Tanzsaal wurde “mit 200 verschiedene Figuren formenden brennenden Wachskerzen geschmückt. Auf den Tischen fand man die besten Speisen und Getränke: alle eingeladenen Gäste konnten genug essen und trinken” (Magyar Kurir, Wien).

Relazione
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