Ständige Petőfi-Ausstellung
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Das Literaturmuseum Petőfi befindet sich in der Innenstadt von Budapest, im Barockstil errichteten, und im ausgehenden 19. Jahrhundert im klassizistischen Stil umgebauten Palais Károlyi. Es trägt den Namen des ungarischen Dichters Sándor Petõfi (1823–1849), der in seiner Heimat auch heute als die Synonyme „des Dichters”, als der erste Delegierte der ungarischen Literatur in der klassischen Weltliteratur im goetheschen Sinne gilt. |
Sándor Petőfi – wie er selbst in seiner Laufbahn zur deutschsprachigen Herausgabe seiner Werke formulierte – stammte von armen Eltern, sein Vater war Metzger. Sein Heimatsort Kiskõrös ist eine kleine Stadt in der Mitte der ungarischen Tiefebene. Für ihn stellte in der Kindheit diese Landschaft, die ungarische Steppe, die „Pußta” das bestimmende Erlebnis dar: sie erweckte in ihm das Lebensgefühl für Freiheit, Unabhängigkeit und Unbegrenzheit. Im ersten Ausstellungsraum, dessen weiße Wände die Atmosphäre der dortigen Bauernhäuser und Höfe heraufbeschwören, kann man sich mit den Versuchen der Selbstverwirklichung einer romantischen Persönlichkeit bekannt machen, mit der mißlungenen Militärlaufbahn und mit den Erinnerungsstücken des Schauspielens. Inzwischen schrieb er seine Gedichte, die im Jahre 1844 eine wahre lyrische Revolution hervorriefen. die in Rythmen der ungarischen Volkslieder geschriebenen, für jedermann verständlichen Gedichte, die beinahe gleich zum Anteil der Folklore geworden sind, brachen das Monopol der feudalen Kultur, und kündigten das gleiche in der Politik an. Da sich sämtliche retograden Kräfte der Politik und Kultur gegen ihn wandten, erlebte auch Petõfi im Jahre 1845–46 die byronische welt- und menschenfeindliche Epoche der Romantiker.
Im zweiten Ausstellungsraum erscheint die gesellschaftliche und topographische Umwelt, in welcher Petőfi nach 1846 eindeutig zur Führergestalt der ungarischen Literatur geworden ist. Petőfi hat am 24. Geburtstag die handschrift seiner sämtlichen bis dahin geschriebenen Gedichte abgeschlossen. Der Band hatte einen nie gesehenen Erfolg. Im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts, in der Vormärz, kamen die kulturellen Institutionen des bürgerlichen Ungarn, die Ungarische Akademie der Wissenschaften, das National Theater, zustande. Es war die Blütezeit der Zeitschriften-Literatur, die eine Menge von literarischen Werken in Vers und Prosa verlangte. All das spielte in Budapest an der Donau ab, das – 1848 das erste Mal aus drei selbständigen Städten vereinigt – die sich am schnellsten entwickelnde Stadt Europas im 19. Jahrhundert wurde. An die Stelle des Literaten, der in seinem Schloß auf dem Lande zum Vergnügen schrieb, trat – um den neuen Ansprüchen der Leser gerecht zu werden – der moderne Schriftsteller und Publizist, der sein Brot durch seine Feder verdiente. Unter ihnen scharten sich die Jugendlichen um Petőfi herum, der als erster ausschließlich von seinen Gedichten lebte. Sie organisierten sich aufgrund des Beispiels der Giovine Italia und des Jungen Deutschland, und setzten sich – nachdem sie die Geschichte der französischen Revolutionen studiert hatten – bald die grundlegende Umwälzung Ungarns zum Ziel, sogar mit revolutionären Methoden. Man kann ihre Gesichtszüge sehen, ihre Werke kennenlernen, und ihren Lieblingstreffpunkt, das Café Pilvax betreten.
Auch Petőfis Heirat war eine Aufruhr gegen die Konventionen: er heiratete aus Liebe, nachdem er ein ganzes Jahr lang für seine Liebe gekämpft hatte. Seine lyrische Revolution breitete sich auch auf die Familiendichtung aus. Ihm sind die schönsten Gedichte über die Ehe zu verdanken. Man kann in ihre mit kleinbürgerlichen Möbeln eingerichteten Wohnung, die das Ergebnis seines dichterischen Schaffens ist, hineinschauen. An den Wänden hängen die Porträts der Persönlichkeiten der großen französichen Revolution, die den Dichter an die bevorstehenden sozialen Aufgaben erinnern.
Das Zentralthema der großen Visionsgedichte Petőfis war der Weltfreiheitskampf, nach dessen mit notwendligen Opfern einhergehendem Sieg die Menscheit die Verwirklichung des „allgemeinen Glücks” in Angriff nehmen könnte. Am 15 März 1848 brach auch in Ungarn die Revolution aus. Petőfis Tag ist gekommen. sein Nationallied (Nemzeti dal) wurde die Hymne der Revolution.
Der dritte Raum beginnt mit der Präsentation der ungarischen bürgerlichen Revolution, und stellt auch dar, daß der konsequente Republikanismus Petõfis in seinem Volk, das seit 850 Jahren in einem Königreich lebte, kein Verständnis fand. Die ungarische Revolution stand in Europa am längsten in Waffen. Sie konnte nur durch die vereinigten Kräfte der beiden kontinentalen Großmächte, des österreichischen Kaisers und des russischen Zaren niedergerungen werden. Petőfi setzte seine Gedichte in die Tat um: er diente während des Freiheitskampfes als Offizier, zunächst als Hauptmannes und dann als Major, woran uns seine militärischen Dokumente und Schwerte erinnen. Er erlebte die Kapitulation bei Világos nicht mehr: am 31 Juli 1849 ist er nach der verlorenen Schlacht bei Segesvár/Schäßburg/Sigishoara während der Flucht für immer verschwunden. Ein Gemälde über ihn und seine während des Krieges benutzten Gegenstände sind das Andenken der letzten Station eines Lebens.
Das ungarische Volk wartete noch Jahre lang auf das märchenhafte Wunder: auf die Rückkehr seines geliebten Dichters.
Wenn Sie an unserer Gedenkausstellung Gefallen gefunden haben, nehmen Sie bitte die Gedichte Petőfis in Ihrer Muttersprache zu Hause in die Hand. Sie sind in den größten Bibliotheken gewiß zugänglich. Petõfis Werke sind in mehr als 50 Sprachen, unter anderem in allen Weltsprachen, übersetzt worden.
Für Ihr Interesse danken die Veranstalter und Organisatoren der Ausstellung.
Galerie
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